TRAINTRACKS ROADSIDES WASTELAND DEBRIS cs410

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Reiz, der bei "Shadowscores" (CS 368) aus dem Scheinwiderspruch des Cellos von ULRIKE BRAND und der Gitarre von OLAF RUPP entstand, den verstärkt bei Traintracks Roadsides Wastelands Debris (CS 410) noch ERNESTO RODRIGUES mit dem Schliff seiner Viola. Dieses eigenartige Stringtrio scheint an der Klangwelt wie mit Sandpapier zu schleifen und zu polieren und dabei soviel Schleifstaub aufzuwirbeln, dass er unter den Fingern, ja auf den Zähnen knirscht. Alle romantischen Erinnerungen der Streicher sind gelöscht und ersetzt durch kakophone Säge- und Schabklänge. Alle Flamencodramatik und Hardcoreturbulenz der Gitarre, die oft genug unter Rupps strammen Fingern arpeggiofurios und hyperflageolettistisch aufwirbelte, ist verwandelt in flächige Mikroton­grundierungen und Reibelaute. Umso markanter plinken dann die Saiten, wenn Rupp sie pickt oder so anschlägt, dass sie wummernd nachhallen. Dazu schnarren Cello oder Bratsche mit rauem Vibrato, wobei auch da Bogenschläge ins Spiel kommen, das wie angesichts von Roadkill und eines wüsten Horizontes einen bedrückten Eindruck macht. Doch heftiges Plonkplink, glissandierende Drones, ratschendes Sägen und schroff schillernde Rasanz schütteln Mad Max-taff den Trübsinn ab. Rupp tremoliert wie ein Propeller, lässt aber die Saiten dann auch ganz zart beben und kristallin oder drahtig plinken zum Huschen und Federn, Kratzen und Klopfen der Bögen, zu langgezogenen Dröhnfäden und knurschiger Stahlwolle. Wenn der Staub sich legt, ist das eine finessenreich prickelnde und kunterbunte Angelegenheit. Rigobert Dittmann (Bad Alchemy)